Gesünder mit LaVita: leere Behauptungen

„Senkt das biologische Alter“ oder „weniger Erschöpfung, mehr Energie“ – solche Behauptungen zum Nahrungsergänzungsmittel LaVita sind gänzlich unbelegt.

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Review:  Jana Meixner 

Fördert die Einnahme von LaVita die Gesundheit?

Es gibt keine Studien, die überprüft haben, ob LaVita die Gesundheit spürbar fördert. Erhoben wurden lediglich Blutwerte, die kaum etwas über die Gesundheit aussagen.

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Obst und Gemüse in einem Supermarkt Obst und Gemüse ersetzen zu können behauptet LaVita nicht
© Farid El Messaoudi – istockphoto.com

Der Handel mit Vitaminen und Mineralstoffen boomt. Über 4 Milliarden Euro gaben die Menschen in Deutschland 2025 dafür aus – in der Hoffnung, ihrer Gesundheit etwas Gutes zu tun [Quelle 16].

Ein bekanntes Produkt ist LaVita. Das Nahrungsergänzungsmittel ist ein Konzentrat aus Obst, Gemüse, Kräutern, pflanzlichen Ölen sowie zugesetzten Nährstoffen und soll den Bedarf aller wichtigen Vitamine und Spurenelemente decken.

Dazu empfiehlt das Unternehmen hinter LaVita, täglich ein bis zwei Esslöffel einzunehmen – eingerührt in ein Glas Wasser. Die Kosten für einen Liter des Konzentrats betragen 100 Euro.

Zahlreiche Gesundheits-Versprechen

In einer Broschüre des Unternehmens finden sich so einige Versprechen, etwa: „LaVita senkt das biologische Alter“ oder „LaVita kann einen positiven Einfluss auf das ‚Glückshormon‘ Serotonin haben“. Die Webseite von Lavita wirbt außerdem mit Schlagwörtern wie „mehr Energie & weniger Müdigkeit“, „für das Immunsystem“ oder „für Herz-Kreislauf“ [Quelle 17].

Das dürfte bei vielen Leserinnen und Lesern den Eindruck erwecken, das Nahrungsergänzungsmittel könne die Gesundheit umfassend verbessern und die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit erhöhen.

Mangelhafte Studien ohne Aussagekraft

„Was wir versprechen, ist wissenschaftlich bewiesen“ behauptet das Unternehmen in seiner Broschüre. Dazu verweist LaVita auf verschiedene Studienergebnisse [Quellen 1-6]. Beweisen können die jedoch nichts.

In einer der Studien wurde LaVita mit einem nährstoffarmen Scheinpräparat, also einem Placebo, verglichen [Quellen 1-5]. Nach sechsmonatiger Einnahme untersuchten die Forschenden Blutproben von allen Teilnehmenden, um 48 verschiedene Laborwerte zu messen. Nur bei drei Werten schnitt LaVita besser ab als das Scheinpräparat [Quellen 1,4].

An Versprechen vorbeigeforscht

Ob LaVita spürbar die Gesundheit verbessert, wurde in der Studie gar nicht untersucht. Die gemessenen Blutwerte sagen kaum etwas über die Gesundheit aus. Somit können die Ergebnisse keinerlei Hinweise auf eine angebliche Stärkung des Immunsystems geben – etwa, dass man seltener krank wird.

Sie liefern auch keine Belege für eine bessere Herzgesundheit – dass also das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzschwäche sinken würde.

Es fehlt ebenso an Beweisen für eine Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit. Ebenfalls nicht nachgewiesen wurde, dass LaVita einen verjüngenden Effekt haben könnte.

Weniger Müdigkeit: eine Lösung für unterschiedliche Ursachen?

Dass LaVita bei Müdigkeit und Erschöpfung hilft, ist ebenfalls unbewiesen. Das Unternehmen merkt zwar richtig an, dass die in LaVita enthaltenen Stoffe Eisen, Folsäure, Magnesium, Niacin, Vitamin C, Vitamin B2, B12 und B6 zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung beitragen können. Das bestätigt auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA [Quelle 7].

Das gilt aber nur, wenn man tatsächlich einen Mangel an diesen Vitaminen und Mineralstoffen hat. Müdigkeit und Erschöpfung können aber auch viele andere Ursachen haben. Einen Mangel an Folsäure, Eisen oder Vitaminen lässt sich durch eine einfache Blutuntersuchung beim Arzt oder der Ärztin feststellen.

Kein Glückshormon-Anstieg

Der Werbebroschüre zufolge soll LaVita außerdem den Spiegel des „Glückshormons“ Serotonin erhöhen – und zwar innerhalb von drei Monaten. Dazu verweist die Broschüre auf weitere Ergebnisse der schon erwähnten Studie [Quelle 3]. Verschwiegen wird allerdings, dass der Serotonin-Wert in der Studie nach weiterer Einnahme über nochmals drei Monate wieder auf das Ausgangsniveau abgesunken war.

Wie hoch die Serotonin-Konzentration im Blut ist, sagt zudem nichts über die Stimmung aus. Um eine mögliche Stimmungs-verbessernde Wirkung zu untersuchen, müssten die Studienteilnehmenden zu ihrer Stimmung befragt werden. Das wurde jedoch in keiner Studie gemacht.

Verjüngung nicht belegt

Ebenfalls behauptet wird, LaVita würde das „biologische Alter“ senken. Auch darauf gibt es keinerlei Hinweise aus der Wissenschaft – es ist nicht einmal klar, wie sich das biologische Alter überhaupt messen lassen könnte.

Als Quelle für die Behauptung nennt die Broschüre eine Untersuchung, in der die sogenannte Herzratenvariabilität (HRV) von Personen gemessen wurde. Damit ist gemeint, wie gut sich das Herz anpassen kann, bei Bedarf schneller oder langsamer zu schlagen.

Die Herzratenvariabilität eignet sich jedoch schlecht dazu, die Gesundheit einzuschätzen [Quelle 9]. Auf ein „biologisches Alter“ lässt sich daraus jedenfalls nicht schließen.

Gefahr von Nebenwirkungen gering

Dass Nahrungsergänzungsmittel wie LaVita schaden, ist unwahrscheinlich: Die Mikronährstoffe liegen bei dem empfohlenen Esslöffel am Tag unterhalb der Höchstmengen, wie sie die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgelegt hat [Quelle 10].

Nur wer regelmäßig Vitaminpräparate in sehr hoher Dosierung einnimmt, muss Nebenwirkungen befürchten. Wir haben dazu bereits einen Faktencheck veröffentlicht, siehe: Multivitamin: gesund oder gefährlich?

Vitamine und Mineralstoffe: Wir sind ausreichend versorgt

In Österreich und Deutschland sind die meisten Menschen ausreichend mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt. Das zeigen Untersuchungen aus beiden Ländern [Quellen 11,12] Fachleute halten es in den meisten Fällen für unnötig, Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen [Quellen 13-15]. Eine ausgewogene Ernährung mit Obst und Gemüse ist demnach ausreichend.

Lediglich in speziellen Fällen können Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein. Zum Beispiel in der Schwangerschaft, bei bestimmten Erkrankungen oder einem ärztlich festgestellten Vitaminmangel [Quellen 13-15].

Die Studien im Detail

Nach welchen Studien haben wir gesucht?

Ob ein Nährstoffpräparat die Gesundheit fördert, lässt sich am aussagekräftigsten in einer sogenannten randomisiert-kontrollierten Studie untersuchen. Teilnehmen sollten idealerweise 300 oder mehr Personen, die von einem bestimmten Gesundheitsproblem betroffen sind. Sie werden nach dem Zufallsprinzip (randomisiert) zwei Gruppen zugelost: Die Behandlungsgruppe nimmt das Präparat regelmäßig über längere Zeit ein. Die Kontrollgruppe nimmt stattdessen ein Scheinpräparat (Placebo) ohne zugesetzte Nährstoffe, das gleich schmeckt und aussieht wie das untersuchte Mittel.

Am besten wissen weder die Teilnehmenden noch die Forschenden, wer das echte Mittel einnimmt und wer das Placebo. So lässt sich ausschließen, dass Erwartungen das Ergebnis beeinflussen können – beispielsweise, weil die Teilnehmenden aus der Gruppe mit dem echten Präparat auch sonst mehr auf einen gesunden Lebensstil achten.

Am Ende wird verglichen: Hat sich die Gesundheit der Behandlungsgruppe spürbar positiver entwickelt als die der Kontrollgruppe? Sind die Teilnehmenden etwa weniger häufig krank geworden? Fühlen sie sich weniger erschöpft und müde – ohne zu wissen, ob sie das echte Mittel oder das Placebo bekommen haben? Schneiden sie bei einem Konzentrationstest besser ab? Nur ein deutlicher Unterschied zwischen den beiden Gruppen wäre ein Beleg für eine gesundheitsfördernde Wirkung.

Wie aussagekräftig ist die randomisiert-kontrollierte Studie?

Gefunden haben wir eine einzige solche randomisiert-kontrollierte Studie mit 159 Teilnehmenden. Darin wurde LaVita mit einem gleich schmeckenden und aussehenden Placebo-Konzentrat verglichen. Die Ergebnisse hat das beteiligte Forschungsteam auf sechs verschiedenen Fachartikel aufgeteilt veröffentlicht [Quellen 1-6].

Die Studie hat jedoch nicht untersucht, ob sich die Gesundheit spürbar verbessert hat. Stattdessen hat das Forschungsteam nur Blutwerte erhoben. Aus diesen lässt sich jedoch nicht ablesen, ob die Teilnehmenden wirklich gesünder sind.

Obwohl das Forschungsteam 48 verschiedene Laborwerte gemessen hat, hat es sechs Monate später nur für 20 davon einen Vergleich zwischen LaVita und Placebo veröffentlicht. Lediglich bei dreien fällt der Vergleich für LaVita positiv aus: Homocystein, Co-Enzym Q10 und Superoxid-Dismutase [Quelle 1]. Bei derart vielen Laborwerten kann es sehr gut sein, dass diese positiven Ergebnisse reiner Zufall sind.

Die Aussagekraft der Studie ist aus zahlreichen Gründen stark eingeschränkt:

  • Ungleiche Gruppenaufteilung: 116 Teilnehmende wurden der Behandlungsgruppe zugeteilt, nur 43 der Kontrollgruppe. Das macht einen Vergleich weniger aussagekräftig.
  • Rosinenpickerei: Viele Ergebnisse wurden nicht veröffentlicht. Eine nachvollziehbare Begründung für die fehlenden Daten findet sich nirgends. Beispielsweise fehlt der Vergleich mit der Placebogruppe für 28 der 48 erhobenen Laborwerte.
  • Mögliche Unterschiede vor Studienbeginn: Unklar ist, ob sich die beiden Gruppen hinsichtlich Lebensstil, Ernährung oder Gesundheitszustand bereits zu Studienbeginn voneinander unterschieden haben. Informationen dazu fehlen.

Wie aussagekräftig ist die Studie zur Herzratenvariabilität?

In der Studie zur Herzratenvariabilität nahmen 250 Personen 12 Wochen lang LaVita ein. In dieser Zeit wurde ihr Herzschlag einmal wöchentlich 24 Stunden lang aufgezeichnet.
Die Studie besitzt allerdings keine Aussagekraft, denn ein Vergleich mit einer Kontrollgruppe, die kein LaVita einnimmt, fehlt. Es lässt sich also nicht feststellen, ob scheinbare Verbesserungen auf LaVita zurückzuführen sind, oder ob sich die Werte auch ohne LaVita verändert hätten. Abgesehen davon lässt sich von der Herzratenvariabilität nicht zuverlässig auf die Gesundheit schließen.

[1] Muss et al. (2015a) Neuroprotective impact of a vitamin trace element composition – a randomized, double blind, placebo controlled clinical trial with healthy volunteers. Neuro endocrinology letters, 36(1), 31–40. (Studie in voller Länge)

[2] Muss et al. (2015b) Bioavailabilty of a liquid Vitamin Trace Element Composition in healthy volunteers. Neuro endocrinology letters, 36(4), 337–347. (Studie in voller Länge)

[3] Muss et al. (2016a) Mood improving Potential of a Vitamin Trace Element Composition–A randomized, double blind, placebo controlled clinical study with healthy volunteers. Neuro endocrinology letters, 37(1), 18–28. (Studie in voller Länge)

[4] Muss et al. (2016b) Prevention of „nitrosative stress“ by a nutritional supplement (LaVita®) – a randomized placebo controlled double blind clinical trial with healthy volunteers. Neuro endocrinology letters, 37(5), 345–352. (Studie in voller Länge)

[5] Doerfler et al. (2019) Potential of the multivitamin-mineral-trace element composition LaVita® before, during and after pregnancy. Neuro endocrinology letters, 39(7), 501–514. (Studie in voller Länge)

[6] Lohninger (2024) Verändert LaVita den Gesundheitszustand objektiv und messbar? Autonom Health. (Bericht in voller Länge)

[7] EU Health Claims Register Abgerufen am 15. 4. 2026 unter ec.europa.eu

[8] EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA) (2010) Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to folate and contribution to normal psychological functions (ID 81, 85, 86, 88), maintenance of normal vision (ID 83, 87), reduction of tiredness and fatigue (ID 84), cell division (ID 195, 2881) and contribution to normal amino acid synthesis (ID 195, 2881) pursuant to Article 13 (1) of Regulation (EC) No 1924/2006. EFSA Journal, 8(10), 1760. (Bericht in voller Länge)

[9] UpToDate (2026) Evaluation of heart rate variability. Abgerufen am 17.4.2026 unter uptodate.com (Zugriff kostenpflichtig)

[10] Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA (2006) Zulässige Zufuhrmengen für Vitamine und Mineralstoffe. Abgerufen am 17.4.2026 unter www.efsa.europa.eu

[11] Elmadfa et al. (2012) Österreichischer Ernährungsbericht 2012. Universität Wien. Abgerufen am 17.4.2026 unter ernaehrungsbericht2016.univie.ac.at

[12] Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2012) Bechthold A, Albrecht V, Leschik-Bonnet E, Heseker H. Beurteilung der Vitaminversorgung in Deutschland. Teil 1: Daten zur Vitaminzufuhr. Ernährungs Umschau 59 (2012) 324-336. Abgerufen am 17.4.2026 unter www.ernaehrungs-umschau.de

[13] Rust et al. (2017) Österreichischer Ernährungsbericht 2017. Universität Wien. Abgerufen am 17.4.2026 unter broschuerenservice.sozialministerium.at

[14] Österreichische Gesellschaft für Ernährung (2022) Abschnitt Nahrungsergänzungsmittel. Abgerufen am 17.4.2026 unter www.oege.at

[15] UpToDate (2020) Vitamin supplementation in disease prevention. UpToDate. Abgerufen am 17.4.2026 unter uptodate.com (Zugriff kostenpflichtig)

[16] Statista.de (2025) Umsatz mit Nahrungsergänzungsmitteln¹ in Deutschland in den Jahren 2020 bis 2025.- Abgerufen am 17.4.2026 unter statista.de (Zugriff kostenpflichtig)

[17] LaVita.com (2026). Abgerufen und archiviert am 15.4.2026 unter https://perma.cc/L5KM-SJDV

  • 23.4.2026: Bei einer neuerlichen Recherche fanden wir keine aussagekräftigen Studien. Wir haben uns für den neuen Artikel auf Behauptungen in einer Ende 2025 verschickten Produktbroschüre konzentriert und dazu auch die weitere Quelle [6] berücksichtigt
  • 1.7.2020: Keine neuen Studien gefunden – Einschätzung bleibt gleich
  • 29.8.2018: Keine neuen Studien gefunden – Einschätzung bleibt gleich. Der Verweis auf den Inhaltsstoff Stutenmilch wurde gestrichen, da sich die Zusammensetzung des Produkts nach Angaben der Herstellerfirma geändert hat.
  • 17.9.2015: Erstveröffentlichung des Faktenchecks

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